Als ich Mama wurde, kamen die Zweifel.
Und sie blieben lange.
Yasmina
3/12/20262 min read


Bevor ich Mutter wurde, war ich eine Frau mit klarer Richtung.
Selbstbewusst. Zielstrebig. Leistungsbereit.
Ich liebte es zu arbeiten.
Ich liebte es zu lernen.
Ich liebte es, mich weiterzuentwickeln.
Keine Weiterbildung durfte an mir vorbeigehen.
Ich wusste, was ich konnte.
Und ich wusste auch, dass ich gut darin war.
Mein beruflicher Weg war für mich selbstverständlich.
Er gehörte zu mir.
Zu meinem Selbstbild.
Zu meinem Wertgefühl.
Dann wurde ich Mama.
Und plötzlich veränderte sich alles.
Nicht von heute auf morgen.
Nicht bewusst entschieden.
Sondern ganz leise.
Mit jedem weiteren Kind rückte meine berufliche Perspektive ein Stück weiter in den Hintergrund.
Erst nur ein bisschen.
Dann immer mehr.
Irgendwann fühlte sich mein „altes Leben“ so weit weg an,
als hätte es nie wirklich existiert.
Der Gedanke, jemals wieder einer Erwerbsarbeit nachzugehen,
fühlte sich unrealistisch an.
Fast fremd.
Mein Alltag bestand nun aus Bedürfnissen anderer.
Aus Organisation.
Aus Verantwortung.
Aus unzähligen kleinen Entscheidungen.
Und gleichzeitig kamen sie näher.
Die Zweifel.
Mache ich das hier überhaupt richtig?
Bin ich eine gute Mutter?
Sehen die anderen etwas, was ich nicht sehe?
Diese Fragen wurden lauter —
nicht nur in mir.
Auch von außen.
Gut gemeinte Ratschläge.
Ungefragte Meinungen.
Vergleiche.
Bewertungen.
Von Familie.
Von Freunden.
Und besonders von Social Media.
So direkt.
So ungefiltert.
So hart.
Es hat mich oft umgehauen.
Ich habe lange gezweifelt.
An mir.
An meinen Entscheidungen.
An meinem Weg.
Und ja — ich habe auch um mein „altes Ich“ getrauert.
Um die Frau, die ich einmal war.
Obwohl ich es gleichzeitig immer geliebt habe, Mutter zu sein.
Dieser Widerspruch hat mich lange begleitet.
Erst viel später habe ich erkannt,
wie viel ich in dieser Zeit eigentlich gelernt habe.
Wie viel Wissen ich mir angeeignet habe.
Wie sehr ich gewachsen bin.
Wie viele Fähigkeiten ich entwickelt habe,
die man in keinem Lebenslauf so richtig sieht.
Geduld.
Konfliktlösung.
Emotionale Stärke.
Organisation.
Empathie.
Krisenfestigkeit.
Ich habe mich nicht verloren.
Ich habe mich verändert.
Und irgendwann begann ich zu verstehen:
Dieses „neue Ich“ ist nicht weniger wert.
Es ist vielleicht sogar stärker.
Heute weiß ich, dass sich all das, was ich als Mutter gelernt habe,
in mein jetziges Leben integrieren lässt.
In meine Arbeit.
In meine Haltung.
In meinen Weg.
Und genau deshalb ist es mir so wichtig, Mütter zu stärken.
Weil Selbstzweifel dazugehören.
Weil Ängste dazugehören.
Weil dieser Identitätswandel real ist.
Aber auch, weil so viel Wachstum darin liegt.
Du bist nicht stehen geblieben.
Du bist unterwegs.
